Amakhala Game Reserve: die Rhino-Zicken, die Lion-Girls und die Elly Family

Arschkalt ist’s morgens um halb sieben in Afrika, Wir klettern unter Umgehung aller Vermummungsverbote in Mützen, Schals, Anoraks und sogar Handschuhe gehüllt in Lennys zehnsitzigen Toyota LandCruiser und sehen aus wie die Reisegruppe aus dem Kuckucksnest. Lenny ist unser Ranger, der uns mit Machete (statt Flinte) bewaffnet zu den wilden Tieren und (hoffentlich) heil wieder zurück bringt.

Wir sind am Tag zuvor nach vormittäglicher Tour über die Garden Route und die Blauwkrans Bridge (wo der Oberstwaldmeister den tiefsten Bungee-Sprung der Welt verweigert hat) im Amakhala Private Game Reserve nordöstlich von Port Elisabeth angekommen.

Hier ist die Woodbury Lodge, eine traumhaft gelegene kleine Anlage im Hang mit weitem Talblick, den die Fiesels vom Pool genießen und mit ersten Bildern nach Hause die Reaktion „wie im Tagebau Hambach“ provozieren. In so einer Lodge ist der Tag reglementiert. Nach Ankunft gibt es erstmal Mittagessen um zwei, dann geht es bis nach Einbruch der Dämmerung auf Safarifahrt mit Lenny – auf den Lehm- und Kieswegen ist „free african Massage“ inclusive Lenny stammt aus Zimbabwe, von wo er mit 23 hergekommen ist, wohnt im nahen Alexandria und freut sich auf daheim und die Urlaubswoche, die tags drauf beginnt. Nach der Pirsch dann ein Stuhlkreis am Lagerfeuer, Dinner und Bettruhe. Denn am nächsten Tag ist Wecken um sechs und Abfahrt – siehe oben – um halb sieben. Danach alles wieder von vorne.

Los geht es nach dem Lunch. Wir woll’n die Tiere sehen, und das geht ganz gut los – wohl dosiert mit ein paar Warzenschweinen, Zebras, Water Boks und Impalas. Letztere haben unsere volle Aufmerksamkeit, denn für die meisten wird es sie medium zum Abendessen geben. Ein, zwei Stunden fahren wir herum, dann ist es da: Heino, das Rhino (sprich: Reino). Heinos Geschichte ist tragisch: Er rennt hinter drei Rhino-Tussen her, die nichts von ihm wissen wollen. Und ihm das auch deutlich mit vorgetrecktem Nashorn zu verstehen geben. Und Heino, der Trottel, steht wie bestellt und nicht abgeholt am Wegesrand und rennt weiter hinter den Mädels her. Und weiter. Und so rennt er sicher heute noch.

Zum Sundown gibt es einen Sundowner, stilecht auf der Kühlerhaube, mit Biltong zum Gin Tonic, zum Bier und zum Wein. Prost auf den Sonnenuntergang und dann zunehmend frierend zurück zur Lodge. Wir schauen verträumt vom Stuhlkreis ins Feuer, tauschen mit einem englischen Ehepaar, das mit uns die Gästeschar schon komplett macht, Tiersichtungen aus und verspeisen den Impala. Ein letztes Glas am Feuer, und wir ahnen, dass die zunächst endlos erscheinende Südafrikatour, deren Tage zunehmend schneller wurden, nun allmählich zu Ende geht.

Aber erstmal am frühen Morgen wieder auf den Bock und ab in die Wildnis. Der Nebel hat sich an der Savanne festgesaugt und will einfach nicht weichen. Und versteckt die Tiere so gut, dass wir uns anderthalb Stunden nur an der geheimnisvollen Landschaft erfreuen können. Und als es langsam klarer wird, kommt sie: die Royal Family. Zunächst Pap und Mamm Löwe, die unsäglich cool unseren Weg zwei Meter vor dem Wagen kreuzen, dann die Lion Sisters, die sich zum gepflegten Sonnenbaden auf die Steppe legen und für die Paparazzi posen, die ihnen ansonsten aber auch am königlichen Popo vorbeigehen.

Natürlich gibt es auch hier einen Zwischenstopp mit Kaffee und Plätzchen, ohne Gin, aber mit Busch in der Nähe: rechtsrum für die Mädels, linksrum für die Jungs.

Zwei der Big Five haben wir gesehen. Das soll es nicht gewesen sein. Zunächst mal Gevatter Giraffe, der ist zwar nicht Big Five, aber ganz nahe dran, kann mit einem Hufkick einen Löwen killen, sieht aus, als würden die Beine dauernd abbrechen und ist irgenswie der Majestätischste von allen.

Und der Höhepunkt und damit Nummer drei der Big Five sind die Elefanten: eine Riesenherde, die erstmal ankommt wie die Parade von Oberst Hathi (Kollege!) im Dschungelbuch. Sie wälzen sich in den Wascherlössern, beschmeißen sich mit Schlamm und Dreck, spielen mit den Pänz und ganz am Schluss kommt einer von hinten und rennt auf den Bus zu, Donald saß hinten! Schade!

Nein, nix passiert, aber erschreckt hat er uns und wird dafür von den anderen Elefanten gemobbt. Kein Pardon im Tierreich!

Die letzte Morgenpirsch hat nicht mehr so viele Tiere, führt uns aber zu einem traumhaften Auspblick hoch über dem Amakhala Game Reserve. In der Lodge werden wir mit „Breakfast ready“ begrüßt und bekommen schon eine Stunde später das erste Rührei. Afrika hat Zeit, wir leider nicht mehr, denn es ist soweit: Es geht heim.

Die letzten Eindrücke im ersten Rückblick schreiben wir von zu Hause. Ab in den Flieger: Port Elisabeth – Johannesburg – Frankfurt – Eschweiler. Wir melden uns nochmal.

2 Gedanken zu „Amakhala Game Reserve: die Rhino-Zicken, die Lion-Girls und die Elly Family

  1. Das ist für mich immer das highlight eurer Reise.
    Die Tierfotos….einfach toll.
    Danke für den tollen blog.
    Mir hat es echt Spaß gemacht, euch mal wieder auf einer Reise zu begleiten.

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