Wir halten jetzt den Rand

Tja, wir melden uns nochmal …

Da sind die Oberstwalmeisters plötzlich wieder zu Haus und neben Auspacken, Wegräumen und Mitbringsel sortieren bist Du die ganze Zeit beschäftigt, das alles nachzuvollziehen und auf die Reihe zu kriegen.

Die Frage der Zurückgeblieben „Wie wars denn?“ ist in einem Satz nun wirklich nicht zu beantworten. Schön wars. 1.000 Facetten, 1.000 Eindrücke, 1.000 Geschichten. Jede Fahrt, jede Unterkunft, jeder Ort neu und ganz anders. Freundliche, hilfsbereite Menschen. Tolle Speisen, Die besten Weine der Wel… – nee jetzt ist aber gut, da hat Europa auch so einiges zu bieten. Aber lecker wars.

Wir maßen uns nicht an, Land und Leute kennengelernt oder die Spannungen dieser Regenbogenkultur wirklich verstanden zu haben. Wir haben Reste von Straßensperren gesehen, die kurz zuvor noch gebrannt haben. Wir haben durchaus wahrgenommen, dass in den Restaurants, die wir uns gegönnt haben, die Weißen an den Tischen saßen und die Schwarzen bedient haben. Aber wir haben uns – wenn auch in der All-inclusive-Variante – ins Township getraut, waren bei Ella und ihren Kindern und hatten die Tränen in den Augen; als wir in der Kirche am Schluss von den Gemeindemitgliedern umarmt wurden. Versuch´ das mal in St. Peter und Paul!

Wir hatten das größte Schwein der Welt mit dem Wetter; dies sei allen gesagt, die jetzt für nächsten August Südafrika buchen. Das war nach unserem Verständnis ein Frühling, wie er schöner nicht sein könnte. Wir hatten mindestens Südtirol, Westfrankreich, das Allgäu, die Schweiz, Irland und ein bisschen Sylt auf ein und derselben Strecke. Wir hatten Hake und Klipfish, Chicken Liver, Kudu, Impala, Warthog, Krokodil und Strauß, Salmon und Avocado auf dem Teller. Wir können kein Scrambled Egg, kein Omelette, kein Mirror Egg mehr sehen, auch nicht Sunny Side up. Oberstwaldmeisters erstes Essen daheim war Schwarzbrot mit Leberwurst.

Wir hatten Traumstraßen, Traumpässe, Traumstrände, einen Overkill an Eindrücken, den Fotos nicht wiedergeben können. Wir sind mit Walen geschwommen, haben mit Elefanten im Matsch geplantscht und mit den Löwengirls in der Sonne gelegen. Wir haben zum Sonnenuntergang in Kapstadt den Lionˋs Head zugeparkt und waren schon wieder nicht auf dem Tafelberg. Wir haben 25 Weine am Stück probiert und mer fuhre met de Strossebahn no Huss.

Ja, liebe Fieselfreunde: Wir waren in Südafrika. Eine Gruppe von neun schrägen Individuen, die als Gruppe oder sagen wir: als Spezies „Fiesel“ funktioniert haben. Meistens.

Wir haben was zu erzählen und werden das gnadenlos tun, wenn wir Euch das nächste Mal treffen.

Für jetzt und heute sagen Gundel und der Oberstwaldmeister Tschüss. Und sie tun das, was nun noch zu tun bleibt: Sie halten den Rand.

Der letzte macht den Blog zu!

Amakhala Game Reserve: die Rhino-Zicken, die Lion-Girls und die Elly Family

Arschkalt ist’s morgens um halb sieben in Afrika, Wir klettern unter Umgehung aller Vermummungsverbote in Mützen, Schals, Anoraks und sogar Handschuhe gehüllt in Lennys zehnsitzigen Toyota LandCruiser und sehen aus wie die Reisegruppe aus dem Kuckucksnest. Lenny ist unser Ranger, der uns mit Machete (statt Flinte) bewaffnet zu den wilden Tieren und (hoffentlich) heil wieder zurück bringt.

Wir sind am Tag zuvor nach vormittäglicher Tour über die Garden Route und die Blauwkrans Bridge (wo der Oberstwaldmeister den tiefsten Bungee-Sprung der Welt verweigert hat) im Amakhala Private Game Reserve nordöstlich von Port Elisabeth angekommen.

Hier ist die Woodbury Lodge, eine traumhaft gelegene kleine Anlage im Hang mit weitem Talblick, den die Fiesels vom Pool genießen und mit ersten Bildern nach Hause die Reaktion „wie im Tagebau Hambach“ provozieren. In so einer Lodge ist der Tag reglementiert. Nach Ankunft gibt es erstmal Mittagessen um zwei, dann geht es bis nach Einbruch der Dämmerung auf Safarifahrt mit Lenny – auf den Lehm- und Kieswegen ist „free african Massage“ inclusive Lenny stammt aus Zimbabwe, von wo er mit 23 hergekommen ist, wohnt im nahen Alexandria und freut sich auf daheim und die Urlaubswoche, die tags drauf beginnt. Nach der Pirsch dann ein Stuhlkreis am Lagerfeuer, Dinner und Bettruhe. Denn am nächsten Tag ist Wecken um sechs und Abfahrt – siehe oben – um halb sieben. Danach alles wieder von vorne.

Los geht es nach dem Lunch. Wir woll’n die Tiere sehen, und das geht ganz gut los – wohl dosiert mit ein paar Warzenschweinen, Zebras, Water Boks und Impalas. Letztere haben unsere volle Aufmerksamkeit, denn für die meisten wird es sie medium zum Abendessen geben. Ein, zwei Stunden fahren wir herum, dann ist es da: Heino, das Rhino (sprich: Reino). Heinos Geschichte ist tragisch: Er rennt hinter drei Rhino-Tussen her, die nichts von ihm wissen wollen. Und ihm das auch deutlich mit vorgetrecktem Nashorn zu verstehen geben. Und Heino, der Trottel, steht wie bestellt und nicht abgeholt am Wegesrand und rennt weiter hinter den Mädels her. Und weiter. Und so rennt er sicher heute noch.

Zum Sundown gibt es einen Sundowner, stilecht auf der Kühlerhaube, mit Biltong zum Gin Tonic, zum Bier und zum Wein. Prost auf den Sonnenuntergang und dann zunehmend frierend zurück zur Lodge. Wir schauen verträumt vom Stuhlkreis ins Feuer, tauschen mit einem englischen Ehepaar, das mit uns die Gästeschar schon komplett macht, Tiersichtungen aus und verspeisen den Impala. Ein letztes Glas am Feuer, und wir ahnen, dass die zunächst endlos erscheinende Südafrikatour, deren Tage zunehmend schneller wurden, nun allmählich zu Ende geht.

Aber erstmal am frühen Morgen wieder auf den Bock und ab in die Wildnis. Der Nebel hat sich an der Savanne festgesaugt und will einfach nicht weichen. Und versteckt die Tiere so gut, dass wir uns anderthalb Stunden nur an der geheimnisvollen Landschaft erfreuen können. Und als es langsam klarer wird, kommt sie: die Royal Family. Zunächst Pap und Mamm Löwe, die unsäglich cool unseren Weg zwei Meter vor dem Wagen kreuzen, dann die Lion Sisters, die sich zum gepflegten Sonnenbaden auf die Steppe legen und für die Paparazzi posen, die ihnen ansonsten aber auch am königlichen Popo vorbeigehen.

Natürlich gibt es auch hier einen Zwischenstopp mit Kaffee und Plätzchen, ohne Gin, aber mit Busch in der Nähe: rechtsrum für die Mädels, linksrum für die Jungs.

Zwei der Big Five haben wir gesehen. Das soll es nicht gewesen sein. Zunächst mal Gevatter Giraffe, der ist zwar nicht Big Five, aber ganz nahe dran, kann mit einem Hufkick einen Löwen killen, sieht aus, als würden die Beine dauernd abbrechen und ist irgenswie der Majestätischste von allen.

Und der Höhepunkt und damit Nummer drei der Big Five sind die Elefanten: eine Riesenherde, die erstmal ankommt wie die Parade von Oberst Hathi (Kollege!) im Dschungelbuch. Sie wälzen sich in den Wascherlössern, beschmeißen sich mit Schlamm und Dreck, spielen mit den Pänz und ganz am Schluss kommt einer von hinten und rennt auf den Bus zu, Donald saß hinten! Schade!

Nein, nix passiert, aber erschreckt hat er uns und wird dafür von den anderen Elefanten gemobbt. Kein Pardon im Tierreich!

Die letzte Morgenpirsch hat nicht mehr so viele Tiere, führt uns aber zu einem traumhaften Auspblick hoch über dem Amakhala Game Reserve. In der Lodge werden wir mit „Breakfast ready“ begrüßt und bekommen schon eine Stunde später das erste Rührei. Afrika hat Zeit, wir leider nicht mehr, denn es ist soweit: Es geht heim.

Die letzten Eindrücke im ersten Rückblick schreiben wir von zu Hause. Ab in den Flieger: Port Elisabeth – Johannesburg – Frankfurt – Eschweiler. Wir melden uns nochmal.

Was grünt und blüht denn da?

Die Zeit in Plett vergeht wie im Fluge, wie sowieso die letzte Urlaubswoche. Vorbei mit den endlos erscheinenden vor uns liegenden Tagen. Sonnenauf- und untergänge sind in unseren Erinnerungen und Speicherkarten eingespeist, Wellen, Wellen, Brandung und noch mehr Brandung, Delfine, Flamingos -jeden Morgen die neun von der Bucht, haben uns allen erholsame Seetage beschert. Aber der Fiesel ist immer bestrebt sein Wissen und seine Erfahrungen zu erweitern, fährt gerne zur See und so wird nach „freiem“ Vormittag für den Nachmittag eine Tour gebucht.

Wir kaufen uns ein Wesselboot, eine Crew und einen Guide und steuern eine Knysna vorgelagerte Insel an, auf der uns sämtliche Gewächse, deren Namen wir natürlich alle fließend runterbeten könnten (ha, ha) gezeigt sowie deren Nutzen, Gerüche, Alter, Härtegrad, Lebensdauer, Lebensalter…. näher gebracht werden.

Angelandet fahren wir mit einem Truck, der erstes Safariefeeling vermittelt, auf einen Berg und haben wirklich spektakuläre Ausblicke, um dann in der Folge, den Berg wieder hinab zu wandern.

Der vom Aussterben bedrohte Austernfischer, es handelt sich um einen Vogel, begegnet uns mehrfach und Reinhard, Donald und Daisy wissen schon wieder, was sie abends ordern werden.

Der Finbos beheimatet die uns sehr genehmen Kräuter, aus denen ein hervorragender Gin entsteht den FinbosGin (der aufmerksame Bologneser erinnert sich).

Solch ein Wald hat früher den Berg begrünt. Diese Wälder brennen naturgemäß alle Jubeljahre ab und bringen dann unter sich neue frische Kräuter und neuen Wald hervor. Auf unsrem Berg ist aber leider alles zu sehr abgebrannt, da das Feuer aufgrund eines Sturmes sich immer wieder entfachte. Lernen wir alles beim Rudelwandern.

Nach einem Gläschen Wein zum Abschluss der anstrengenden Bergtour, schippern wir übern See zurück nach Knysna, fahren nach Plett, speisen hervorragend im Fatfisch Fisch denn ab jetzt gibt’s nur noch „Springbock“ auf der Lodge, zu der wir am nächsten Morgen aufbrechen.

Haus and Garten – die Aussicht aus der Badewanne und wie wir uns so betteten

Es gibt in der Zeitschriftenabteilung beim heimischen HIT einen Meter mit Titeln zum Thema  Haus und Grünzeug drum herum, fängt bei Kraut und Rüben für den Öko an, streift livingathome, Schöner Wohnen und endet bei home and garden, und letzteres enthält alles an Interieur, was uns hier in unseren Lodges, Mansion, Hotels und Resort umgeben hat. Depot, shabby Chic, Landhaus-Kolonialstil: alles außer Ikea vorhanden. 

 

Die Badesituation gestaltete sich sehr aussergewöhnlich hatte, ungeahnte Aussichten und manchmal befand sich das Badeobjekt auch direkt im Zimmer.

Gebettet waren wir durchgehend wie im Himmel, mit Himmel beziehungsweise Moskitoschutzhimmel, wobei diese Konstruktion eigentlich nicht notwendig war. Kein Moskito hat uns gestochen.

Auch die Pflanzenwelt hat uns beeindruckt. In der Wüste in der Zeekoe wurde das Grünzeug fürs Buffet in den Baumscheiben gezogen, gehegt und gepflegt, an den Küsten wächst alles an Sukkulenten, was in Deutschland gerade „in“ ist, die Sträucher tragen hier die Blüten die früher Gundels Mutter nur zu Muttertag geschenkt bekam, es ist Winter, was wir teilweise aus den Augen verlieren, denn es grünt so grün an der Garden Route im Garten Eden.

Zurück von dieser wunderbaren Reise, pirscht die Gundel wieder durch den heimischen Garten, schlägt mit der Machete den Gartenweg frei und steht im Tomatendschungel und träumt von Südafrika.

Sonntagmorgen in Knysna: mit Willem durch’s Township

Traumstraßen, Traumstrände: Wir haben in Plettenberg Bay einen direkt vor der Haustür, hier steigen wir ab im Milkwood Manor, das genauso aussieht, wie sich das bayerisch-kölsche Besitzerehepaar hier vor 23 Jahren ihr englisches Herrenhaus einrichtet haben. Beim Morgenlauf schlagen die Wellen des Indischen Ozeans an den Strand, Flamingos fliegen auf, die Morgensonne strahlt – hach!

Heute geht es ins Township in Knysna, und keiner weiß das so recht einzuschätzen. Sind wir dort willkommen oder eher die blöden Touris, die durch die Szenerie trampeln und den Sonntagsfrieden der Einwohner stören?

Alles gut, die Tour erweist sich als wertschätzender, sicherer und sehr spannender Einblick in eine Welt, die Du sonst im Vorbeirauschen aus dem Auto als Ansammlung von Wellblechhütten wahrnimmst oder, wenn Du mal reingerätst, mit verriegelter Autotür schnell wieder verlässt.

Unser Tour Guide heißt Willem, auch wenn in seinen stets gut gelaunten zweieinhalb Zentnern offensichtlich wenig niederländisches Blut fließt. Er lebt im Township mit Frau und zwei Kindern, beantwortet jede Frage, wenn er nicht gerade aus dem Autofenster die Kumpels begrüßt, die Kinder mit Sweets versorgt oder den Hunden Futter auf die Straße schaufelt. Hunde? Nein, das sind die Township Lions, genau wie die frei laufenden Schweine, die Township Leppards, zusammen mit Eseln, Kühen und Ziegen die lokalen Big Five.

Das Township hat sich für den Sonntag und den Kirchenbesuch herausgeputzt, viele sind an der speziellen Tracht ihrer jeweiligen Gemeinde zu erkennen. Auch die Kinder sind feingemacht. Sie wissen, wenn die Wagen von Enzini Tours um die Ecke kommen, die das Ganze organisieren und hier ausdrücklich erwähnt und gelobt sein sollen http://www.emzinitours.co.za/township-tours/, dann gibt es Süßigkeiten. Natürlich haben sich die Fiesels das von Willem abgekuckt und sich beim örtlichen Grocery Store eingedeckt, der in einem alten Seecontainer ein komplettes Angebot wie bei Lidl und REWE unterbringt.

Wir besuchen auch einen Hairdresser, der mit Reinhard fast einen Kunden gewonnen hätte, bis klar war, dass man sich auf Extensions spezialisiert hat – schade, er kann doch alles tragen. Oder einen Schuhfabrikanten, bei dem Lissy eine Springbocktasche kauft und damit den Sonntagumsatz rettet.

Und wir gehen in die Kirche der Apostolic Faith Mission of South Africa, wo alles genauso abläuft, wie man sich das in Gospelgemeinden vorstellt. Der Reverend mit dem Mikro, der Drummer daneben, der zwischendurch eindöst, das junge Brautpaar, das von der gesamten Gemeinde, Fiesels inclusive, mit erhobenen Händen eingesegnet wird. Natürlich singen alle, das groovt ohne Ende, die Menschen hier können wirklich aus zwei Tönen Rhythmus machen. Alle tanzen, schwenken im Takt ihre Kinder, am Schluss werden alle umarmt, auch die Fiesels, und wir fühlen uns ein bisschen als Teil des Ganzen.

Dass die Kinder die meiste Aufmerksamkeit kriegen, ist klar, sie sind fröhlich, teilen ihre Spielzeuge und ihre Süßigkeiten und beschäftigen sich hingebungsvoll mit einfachen Dingen wie kleinen Bällen oder Kreiseln, was die Oberstwaldmeisterin im Gegensatz zum deutschen Markenspielzeugwahn klasse findet.

Natürlich ist das nicht die heile Welt, aber es ist sichtbar und von Willem vehement betont, eine Community. Hier bleibt man, auch wenn man irgendwann besser da steht als der Rest und in Einzelfällen sogar einen BMW in der Garage hat. Es bleibt eine schwarze Siedlung, so wie sie in Zeiten der Apartheid entstanden ist, als die schwarze und farbige Bevölkerung aus den Towns hierher vershipt wurde, um so die Trennung der Rassen umzusetzen. Seit Mandela ist das nicht mehr so, seitdem entstanden einfache Einheitshäuser aus Stein, die die Blech- und Holzhütten ersetzen und den Einwohnern vom Staat zum Kauf angeboten werden. Diese werden gleichzeitig zu Handwerkern ausgebildet, um weitere Häuser zu bauen. Das löst die Arbeitslosigkeit und die Alkoholprobleme nicht, wie auch die aktuellen Unruhen und die Gewalt in Kapstadt wieder zeigen, ist aber ein Projekt, das weiterhilft.

Höhepunkt der Tour ist der Besuch bei Ella und ihrem Safe House, wo vor allem misshandelte Kinder in kleinen Gruppen und Klassen unterrichtet und aufs Leben vorbereitet werden. Ella, selbst als Kind in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, empfängt uns in ihrer Küche mit Scones und Marmelade, wir kriegen Unterricht in Xhosa, das ist die Sprache mit den Klicklauten. Willem und seine Kumpels singen wieder sehr rhythmisch und wir alle trommeln mit im – äähh – Rhythmus. Jeder in seinem eigenen.

Wir wissen, wir haben nur die Sonntags-Schokoladenseite gesehen, und das in Begleitung eines wohlwollenden Insiders. Es gibt nichts schönzureden, aber wir waren dort und haben einen Einblick erhalten, für den wir dankbar sind.

Reichlich entkräftet landen wir mit einem unterwegs aufgelesenen Sixpack Windhoek Draft beim Asiaten unseres Vertrauens in „Plett“, wie wir Südafrikaner sagen, und kaufen ein fürs große Picknick am Abend, das wir unter Lichterketten und Zeltdach im (winters geschlossenen) Hotelrestaurant mit großartiger Unterstützung der Hotelfachkraft (Messe, Gabel, Teller, Gläser) und dem Wein aus Franschhoek bestreiten.

Noch ein sehr geehrter Abend!

Next stop Plettenberg Bay

Die Fiesels packen wieder ihre Koffer, verlassen diesen verwunschenen Ort in der kleinen Karoo um sich auf den Weg über Mossel Bay Richtung Plettenberg aufzumachen. Die Strecke beschert uns erneut einen Pass und afrikanischen Nebel. Der SuV sieht den Hyundai nicht mehr und die SUV Crew befürchtet schon den Absturz links in die Canons.

Nein, die Oberstwaldmeisterin kurvt behende die Serpentinen hinab, alle sind wohlauf, erreichen Mossel Bay, um den Posttree der Matrosen aufzusuchen, die hier seit Jahrhunderten ihre Post in den Baum gesteckt haben. Der erste Portugiese fand die Küste nicht so heimelig, da er nur Muscheln dort vermutete und nicht ahnte, dass hier die Garden Route beginnen sollte, die Millionen von interessierten Touristen anziehen würde.

Ja wir starten tatsächlich nun die Garden Route, welche so heißt, weil hier alles grün ist und die frühen Seefahrer die Küste als Garten Eden empfanden.

Wir kurven durch die Landschaft, welche sich weiter abwechslungsreich und nun bewaldet zeigt, auf der Autoroute am Rande von Affenhorden bevölkert ist und gelangen durch Knysna nach Plettenberg Bay. Unser Hotel liegt direkt am Strand, wird von einem Münchner und seiner Frau betrieben und Lissy erkundet direkt das Ginangebot, Daisy, Oberstwaldmeisterin und Co nehmen die Weinempfehlung kurzentschlossen an und wir sind entzückt von unserer neuen Bleibe, in der es sich aufgrund der Aufenthaltsdauer lohnen könnte, den Koffer ganz auszupacken.

Die Fiesels schwärmen nochmal aus, um die Umgebung zu erkunden. Wo können wir an den kommenden Abenden Essen gehen und der aktuelle kleine Hunger will auch bedient werden. Lissy, Reinhard „Ich bin nur der Fahrer“ sowie Gundel landen in einem Marketplace, lassen sich bei Angelo nieder, einer Pizzabud, die Hans betreibt, und kommen mit dem Buren Hans, der Afrikaans Angelina, Toby dem Chinesen und sonstigen Statisten der angrenzenden Thaimassagebud in Kontakt. Der Wein wird ausserhalb der Lizenz serviert, Toby, 6 Jahre alt, lernt von Lissy Rollerskatefahren, den kleinen deutschen Wortschatz und sonstige wichtige Themen des Lebens, während Pizza, Pasta etc. die Mägen füllen. Wir versprechen wiederzukommen.

Der Rest der Fiesels verteilt sich auf die umliegenden Bistros und hat nach Angaben von Daisy ebenfalls Pizza genossen. Oberstwaldmeisters erkunden die Strandwege und reservieren vorsorglich für den nun anbrechenden Abend für alle einen Tisch im Strandrestaurant LOVE, welches zum Entzücken von Daisy, Donald und Reinhard einen „Austernautomat“ am Eingang aufgestellt hat.

Und Gundel sitzt hier nun auf der Empore oberhalb der Rezeption, der angeblich besten “Empfangszone“ um halb sechs morgens, um ein paar Bilder für den Blog hochzuladen. Es ist das eingetreten, was den Blogger verzweifeln läßt: schiet WiFi. Aber auch die Idee, in der frühen Morgenstunde die noch freie Datenbahn des Hotels zu nutzen, ist nicht wirklich erfolgreich. Es dauert, dauert und deshalb geht die Gundel nun wieder ins Bett.

Oudtshoorn: Reifenknall und Storchenbiss

Wie so oft in diesen Tagen: Du rennst am Morgen los, und wenn Du die Augen aufmachst und realisierst, wo Du gerade bist, dann ist das sehr weit vorne. In diesem Fall vorne in der kleinen Karoo, einer Halbwüste im Landesinnereren. die – etwas abseits der Garden Route, die wir offiziell noch gar nicht erreicht haben – viel zu bieten hat. Einen Sternenhimmel zum Beispiel, wie es ihn – bei mehr als 300 klaren Nächten im Jahr – auf der Welt kaum ein zweites Mal gibt. Die Bergstraßen und Pässe, die wir gefahren sind. Den Blick auf die Berge, geheimnisvoll nebelverhangen morgens um sieben. Und den Rooibostee, der nur hier richtig wächst und in der ganzen Welt besungen wird („Ich bin ene Rooibos, leev Mariellsche …“)

Der Tag auf der Zeekoe Farm nahe Oudtshoorn soll ein sehr entspannter sein. Zunächst fahren zwei Gruppen ins Städtchen. Oudtshoorn ist der Platz der Strauße: Leder, Federn, Fleisch treiben die heimische Wirtschaft und werden an jeder Ecke verkauft. Im Ort hat’s viele Geschäfte, darunter eine Filiale von Brosius in Eschweiler, dem geilsten Kramladen der Welt.

Bei aller Entspanntheit gibt es Abenteuer genug. Zum Beispiel die Sache mit dem Auto – Gundel, Du bist dran:

Danke Oberstwaldmeister. Die Fieseltruppe KIA SUV fühlte sich dem bankettstreifenden Hyundai ja stets überlegen und erwartete schon seit Tagen beim Hyundai das Reifenthema. Aber nein, beim kurzen Roadtrip ins angrenzende Straußenstädchen platzt dem KIA der Kragen – ähm Reifen. Hinten rechts und das aber voll. Vollgebremst bzw. souverän stellt Reinhard „Ich bin ja nur der Fahrer“ die Karre an den Pistenrand und die Crew begibt sich an das Thema Reifenpanne in der Wüste.

Lissy händelt das Warndreieck und konstatiert, alles halb so schlimm, wir haben ein Quartier, es regnet nicht und schon kehrt auch ein Auto um, um Pannenhilfe zu leisten. Nette Südafrikanerin und Südafrikaner wechseln schnell den Reifen, dessen Schrauben Donald schon vorbereitend gelöst hat, und es kann weitergehen. Europcar hält als Ersatz ’ne neue Karre am Flughafen in George bereit, die man aber angesichts der Tagesreise dorthin schnell verwirft und beim örtlichen Reifenhandel in kürzester Zeit einen Ersatzreifen für die nächste Panne erwirbt.

Die Oberstwaldmeisters besichtigen derweil die lokale Straußenfarm und lernen eine Menge über die Tiere, die sie abends essen – übrigens ein Genuss, so ein medium rare Straußenfilet. Die Oberstwaldmeisterin passt gut auf und kennt nun die Fleischverteilung am Strauß auswendig. Sie weiß auch, dass der Strauß (das ist der große Schwarzweiße – mehrere Sträussinnen hat (die braunen), von denen die Haupttsträussin für’s Brüten zuständig ist. Und dass der Strauß auf blinkende Teile reagiert, so wie das Smartphone des Oberstwaldmeisters, als Lissy anruft, um von der Reifen-Experience zu berichten. Und Zack! hat er dem Oberstwaldmeister in den Arm gebissen. Na ja gezwackt. Aber ein blauer Fleck vom Storchenbiss bleibt zum Andenken. Und mutig wie der Oberstwaldmeistr so ist, fressen ihm hernach die dicksten Tiere aus der Hand. Es beruhigt ihn, dass die Eierschalen bis 120 kg Druck aushalten. Viel zugenommen hat er bisher nicht auf der Reise. Wie bitte? 120 pro Ei? Hmmm …

Nach so viel Abenteuer tummelt sich die Fieseltruppe am Pool, es gibt geistige Getränke, darunter den heimischen Fynbos-Gin, aber auch diverse Wascherflassen.

Der Abend klimgt wie der vorgerige unterm afrikanischen Sternenhimmel am Lagerfeuer aus. Lassen wir den Paul selbst zu Wort kommen: „His path was marked
by the stars in the Southern Hemisphere. And he walked his days under African skies .“

Highway to desert

Wer in Afrika früh aufsteht, sieht mehr. Er sieht zum Beispiel afrikanische Friedhöfe, wo sicher noch nicht jeder aus der geneigten Leserschaft schonmal war. Oder er sieht afrikanische Schöler in afrikanischen Schöleruniformen, die aussehen wie afrikanische Schölermodels.

Morgens um 07:30 ist davon übrigens abzuraten, denn der lungenmordende Feinstaubcoctail, der dem am Cleveschen Ring in Köln nicht nachsteht, ist auch hier auf den Elternparksuchverkehr zurückzuführen.

Uns zieht es weiter zu neuen Ufern. Zu südlichen Ufern. Zurück bleiben unsere Walkumpels Willi und Jonas und Daisys geliebtes Schnuffeltuch, das nun einsam an der Garderobe der Lodge hängt. Ob sie‘s jemals wiedersieht?

Wir steuern den nun wirklich südlichsten Punkt Afrikas an, wo sich der indische und der atlantische Ozean zum Five-o’clock-tea treffen. Wir landen auf Sandpisten, auf denen dann erstmal nur noch wir unterwegs sind. Donald ist heute am Steuer schüttelt die Fracht ziemlich durch, der eingelagerte Wein wird tagelange Ruhephasen benötigen, aber der Leuchtturm liegt vor uns.

Die Straßenführung in Afrika ist stets stracksgradus und das kilometerlang. Und so fahren wir durch den Tag, reißen einen Kilometer nach dem anderen ab, erreichen die long long Route 62, passieren Ronnies (Sex) Shop, auch in jedem Reiseführer erwähnt, stärken uns in der Pumpkin-Bud, um den Mond über Afrika aufsteigen zu sehn.

Unsere nächste Lodge im Wüstenflair begrüßt uns mit Feuer und Straußensteak, der lebt hier nämlich gerne und viel in Farmen und Savannen, wie auch die Meerkatze und der Gepard. Gundel hat unterwegs schon ein „gewaltiges“ Gnu gesehen.

Nach Straußen(!)-Steak und Wein setzen erste Chorgesänge am Lagerfeuer ein und die Fiesels sind ganz schön glücklich.

Und am Ende brennt das Bett, das mit Moskitohimmel. Es beschert den älteren Herrschaften (Daisy und Donald brauchen sowas nicht) eine heimelige Wärme, die sich dann als Heizdecke entpuppt.

Hermanus 2: Du hast die Wa(h)l!

Die Boote fahren (gestern) nicht mehr aus, in der Nacht fegten die Winde um die Lodge, es regnete, so dass den Fiesels nicht sicher sein konnten, ob es heute zur große Walbeobachtung kommen sollte. Der Morgen präsentierte sich dann windstill und we are good hope….

Die Golfer brachen früh auf, ohne in den Genuss des Open-Kitchen-Frühstücks zu kommen, und legten mal eben 9 Loch under African Skies hin, afrikanische Tierwelt inklusive. Zur Golfausrüstung zählen neben Driver und Eisen auch Affenabwehrinstrumente… Golfen als Safari. Die Löcher sind in ihrem Charakter poetisch anmutend beschrieben.: „If you are in the Channel, Troubles will welcome you with open arms“ …

Wir brauchten gar nicht alle vorsorglich erworbenen Bälle, so dass wir diese im Anschluss gerne verschenkten und Küsse ernteten: The old Guy will think about us all day and all night.

Pünktlich zur Waltour treffen alle dann am New Harbour ein, die Golfer werden für die anstehenden Stunden auf See mit mitgebrachten Broten und Seasick-Tabletten versorgt, die alle anderen auf Anraten der Herbergsmutter bereits eingenommen haben. Die Sonne strahlt und die Hermanusbucht liegt vor uns.

Nach Einführung über das Leben und die Gewohnheiten der Wale inklusive der täglich verschlungenen Futtermengen, mit Unterschrift bestätigten Haftungsausschlusses, falls einer vom Wal gefressen werden oder sonst wie über die Reling gehen sollte, geht es auf die Yacht und die Fiesels stechen in See….

Nichts als blaues Wasser und schaukelnder Seegang. Wir verabschieden uns im Stillen schon von dem Gedanken, Wale zu sehen, kreieren schon Blogtitel wie „Hermanus hat keine Wal“ , zitieren ein wenig aus Moby Dick und finden eine Bootsfahrt ja auch irgendwie schön.

Aber den Fiesels ist auf dieser Reise das Glück bisher sowas von hold und so sehen wir auch Wale, viele Wale und so nah am Boot, dass selbst erfahrene Walkucker wie Reinhard und Gundel nur staunen können.

Southern Right Whales sind’s, also die richtigen, die früher für Lampenöl und Korsettstangen herhalten mussten, einer so schwer wie 10 Elefanten (Wieviel ist das in Klippschliefern?). Den Bloglesern können wir natürlich wieder nur fragmentarische schwarze Flecken im Wasser präsentieren, welche als Beweis gelten können, aber nicht die allseitige Faszination wiedergeben, welche uns alle beim Anblick dieser gewaltigen Tiere ergreift.

Der Oberstwaldmeister und die Oberwaldmeisterin stammen von den Obersten im Wald ab und sind nicht mit den Oberstseemeistern verwandt und damit trotz Seasicktabletten nur bedingt seetauglich. Beide sind froh, als wir das rettende Ufer wieder erreichen. Anderen an Bord ging es noch schlechter und die von der Crew ausgeteilten Tüten wurden entsprechend gefüllt.

Apropos Tüte: Nachdem die Oberstwaldmeisters nun wieder flüssige wie auch feste Nachrung zu sich nehmen können, bestätigen sie zwar das ärztliche Bulletin in Gänze, führen zum Beweis ihres Durchhaltevermögens aber dieses Dokument an.

Und nachdem alle wieder Land gewonnen haben, gehts noch auf Wanderung, direkt am Hafen startet der Cliff Path, diesmal im Sunnesching. Dazu hier noch ein paar Bilder:

So geht der Tag mit guten Walergebnissen zu Ende. Lebt denn der alte Whale Watcher noch?

Jaaaa, er lebt noch, er lebt noch …

Hermanus: Woher die kleinen Elefanten kommen …

Wenn Dir beim Kauen der Atem in kleinen Wölkchen vor der Nase schwebt und die Eisschicht auf dem Kaffee nur allmählich abtaut, dann weißt Du: Es ist Winter in Afrika und Du sitzt tatsächlich morgens um 08:30 draußen. Auf der Terasse des Mont’dor in Franschhoek wird ein fantastisches Frühstück gereicht, das tatsächlich die Kapstadt-Experience nochmal toppt. Bei noch 9 Grad strahlt schon die Sonnne vom hohen Himmel und die Hausangestellten legen die Badematten auf die Poolliegen.

Dennoch: Es ist unseres Bleibens nicht, wir ziehen weiter, der aufgehenden Sonne entgegen. Nicht ohne vorher die örtliche Gewürzmischerei leergekauft zu haben. Großartige Sache: In entsprechend portionierten Tütchen finden sich alle Gewürze, die Du zum Nachkochen der besten afrikanischen Gerichte brauchst, Fleisch musst Du zu Hause selbst noch beschaffen. Da gibt es auch Biltong, das Trockenfleisch aller Geschmacksrichtungen, und Nüsse und und und – Oberstwaldmeisters Rückflug macht langsam Sorge, bei der Anreise waren’s schon 23,5 kg und damit ein Pfund zuviel.

Dringend brauchen wir noch mehr Wein fürs spätere Picknick, deshalb fahren wir nochmal unser erklärtes Lieblingsweingut Rickety Bridge an, wo die Oberstwaldmeisterin die zweite Tasche dieses Urlaubs kriegt: 23,5 … 24,5 … 25, 5 …

Weiter geht’s, der erneute Umweg wegen Straßensperrung bringt uns eine Mittagspause in Stellenbosch ein, eine quirlige Studentenstadt, wo die Studis wie in Köln und Aachen mittags bei Baccardi Cola statt im Hörsaal sitzen. TropenElmar findet endlich das richtige Outfind nebst Begleitung („Ich Tarzan, Du Cheetah“). Und die Oberstwaldmeisters kaufen ein Kunstwerk für die Wand daheim, schön schwer, mit Metallplättchen drauf. 27,5 … 28,5

In Hermaus steigen wir im Lodge on the Green ab, wo die hilfsbereite Wirtin den drei Golfern unter uns für den nächsten Tag eine Starterlaubnis auf dem Golfplatz direkt hinter der Lodge besorgt – sie sorgt auch für den Transfer zum Essen, fragt nach, ob die Walboote auch fahren und ob im nächsten Restaurant auch wirklich der Chef kocht. Klasse.

Auf dem berühmten Cliff Path in Hermanus gehen wir statt der geplanten elf nur zwei Kilometer, was beim fieselschen Wandertempo schon eine Leistung ist. Die Hauptbewohner sind die – nein, nicht Murmeltiere, sondern Klippschliefer, deren nächster Verwandter – das haben wir schon in Kapstadt gelernt – der Elefant ist.

Es gibt viele Klippschliefer hier, und wir wissen nun auch warum. Da ziehen wir noch einmal das Dichterwort hinzu: „You and me, baby, ain’t nothing but mammmals, so let’s do it like they do on the Discovery Channel.“ (The Bloodhound Gang)

Außer den kleinen Elefanten gibt es aber auch vieeeeeel Küste zu sehen. Was noch fehlt ist ein Wal. Den werden wir morgen sehen. Wenn denn die Boote, die heute wegen des Sturms im Hafen geblieben sind, fahren.

Zum Abschluss des Tages gibt es ausnahmsweise Fleisch. Reichlich Fleisch.