Oudtshoorn: Reifenknall und Storchenbiss

Wie so oft in diesen Tagen: Du rennst am Morgen los, und wenn Du die Augen aufmachst und realisierst, wo Du gerade bist, dann ist das sehr weit vorne. In diesem Fall vorne in der kleinen Karoo, einer Halbwüste im Landesinnereren. die – etwas abseits der Garden Route, die wir offiziell noch gar nicht erreicht haben – viel zu bieten hat. Einen Sternenhimmel zum Beispiel, wie es ihn – bei mehr als 300 klaren Nächten im Jahr – auf der Welt kaum ein zweites Mal gibt. Die Bergstraßen und Pässe, die wir gefahren sind. Den Blick auf die Berge, geheimnisvoll nebelverhangen morgens um sieben. Und den Rooibostee, der nur hier richtig wächst und in der ganzen Welt besungen wird („Ich bin ene Rooibos, leev Mariellsche …“)

Der Tag auf der Zeekoe Farm nahe Oudtshoorn soll ein sehr entspannter sein. Zunächst fahren zwei Gruppen ins Städtchen. Oudtshoorn ist der Platz der Strauße: Leder, Federn, Fleisch treiben die heimische Wirtschaft und werden an jeder Ecke verkauft. Im Ort hat’s viele Geschäfte, darunter eine Filiale von Brosius in Eschweiler, dem geilsten Kramladen der Welt.

Bei aller Entspanntheit gibt es Abenteuer genug. Zum Beispiel die Sache mit dem Auto – Gundel, Du bist dran:

Danke Oberstwaldmeister. Die Fieseltruppe KIA SUV fühlte sich dem bankettstreifenden Hyundai ja stets überlegen und erwartete schon seit Tagen beim Hyundai das Reifenthema. Aber nein, beim kurzen Roadtrip ins angrenzende Straußenstädchen platzt dem KIA der Kragen – ähm Reifen. Hinten rechts und das aber voll. Vollgebremst bzw. souverän stellt Reinhard „Ich bin ja nur der Fahrer“ die Karre an den Pistenrand und die Crew begibt sich an das Thema Reifenpanne in der Wüste.

Lissy händelt das Warndreieck und konstatiert, alles halb so schlimm, wir haben ein Quartier, es regnet nicht und schon kehrt auch ein Auto um, um Pannenhilfe zu leisten. Nette Südafrikanerin und Südafrikaner wechseln schnell den Reifen, dessen Schrauben Donald schon vorbereitend gelöst hat, und es kann weitergehen. Europcar hält als Ersatz ’ne neue Karre am Flughafen in George bereit, die man aber angesichts der Tagesreise dorthin schnell verwirft und beim örtlichen Reifenhandel in kürzester Zeit einen Ersatzreifen für die nächste Panne erwirbt.

Die Oberstwaldmeisters besichtigen derweil die lokale Straußenfarm und lernen eine Menge über die Tiere, die sie abends essen – übrigens ein Genuss, so ein medium rare Straußenfilet. Die Oberstwaldmeisterin passt gut auf und kennt nun die Fleischverteilung am Strauß auswendig. Sie weiß auch, dass der Strauß (das ist der große Schwarzweiße – mehrere Sträussinnen hat (die braunen), von denen die Haupttsträussin für’s Brüten zuständig ist. Und dass der Strauß auf blinkende Teile reagiert, so wie das Smartphone des Oberstwaldmeisters, als Lissy anruft, um von der Reifen-Experience zu berichten. Und Zack! hat er dem Oberstwaldmeister in den Arm gebissen. Na ja gezwackt. Aber ein blauer Fleck vom Storchenbiss bleibt zum Andenken. Und mutig wie der Oberstwaldmeistr so ist, fressen ihm hernach die dicksten Tiere aus der Hand. Es beruhigt ihn, dass die Eierschalen bis 120 kg Druck aushalten. Viel zugenommen hat er bisher nicht auf der Reise. Wie bitte? 120 pro Ei? Hmmm …

Nach so viel Abenteuer tummelt sich die Fieseltruppe am Pool, es gibt geistige Getränke, darunter den heimischen Fynbos-Gin, aber auch diverse Wascherflassen.

Der Abend klimgt wie der vorgerige unterm afrikanischen Sternenhimmel am Lagerfeuer aus. Lassen wir den Paul selbst zu Wort kommen: „His path was marked
by the stars in the Southern Hemisphere. And he walked his days under African skies .“

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