Wir halten jetzt den Rand

Tja, wir melden uns nochmal …

Da sind die Oberstwalmeisters plötzlich wieder zu Haus und neben Auspacken, Wegräumen und Mitbringsel sortieren bist Du die ganze Zeit beschäftigt, das alles nachzuvollziehen und auf die Reihe zu kriegen.

Die Frage der Zurückgeblieben „Wie wars denn?“ ist in einem Satz nun wirklich nicht zu beantworten. Schön wars. 1.000 Facetten, 1.000 Eindrücke, 1.000 Geschichten. Jede Fahrt, jede Unterkunft, jeder Ort neu und ganz anders. Freundliche, hilfsbereite Menschen. Tolle Speisen, Die besten Weine der Wel… – nee jetzt ist aber gut, da hat Europa auch so einiges zu bieten. Aber lecker wars.

Wir maßen uns nicht an, Land und Leute kennengelernt oder die Spannungen dieser Regenbogenkultur wirklich verstanden zu haben. Wir haben Reste von Straßensperren gesehen, die kurz zuvor noch gebrannt haben. Wir haben durchaus wahrgenommen, dass in den Restaurants, die wir uns gegönnt haben, die Weißen an den Tischen saßen und die Schwarzen bedient haben. Aber wir haben uns – wenn auch in der All-inclusive-Variante – ins Township getraut, waren bei Ella und ihren Kindern und hatten die Tränen in den Augen; als wir in der Kirche am Schluss von den Gemeindemitgliedern umarmt wurden. Versuch´ das mal in St. Peter und Paul!

Wir hatten das größte Schwein der Welt mit dem Wetter; dies sei allen gesagt, die jetzt für nächsten August Südafrika buchen. Das war nach unserem Verständnis ein Frühling, wie er schöner nicht sein könnte. Wir hatten mindestens Südtirol, Westfrankreich, das Allgäu, die Schweiz, Irland und ein bisschen Sylt auf ein und derselben Strecke. Wir hatten Hake und Klipfish, Chicken Liver, Kudu, Impala, Warthog, Krokodil und Strauß, Salmon und Avocado auf dem Teller. Wir können kein Scrambled Egg, kein Omelette, kein Mirror Egg mehr sehen, auch nicht Sunny Side up. Oberstwaldmeisters erstes Essen daheim war Schwarzbrot mit Leberwurst.

Wir hatten Traumstraßen, Traumpässe, Traumstrände, einen Overkill an Eindrücken, den Fotos nicht wiedergeben können. Wir sind mit Walen geschwommen, haben mit Elefanten im Matsch geplantscht und mit den Löwengirls in der Sonne gelegen. Wir haben zum Sonnenuntergang in Kapstadt den Lionˋs Head zugeparkt und waren schon wieder nicht auf dem Tafelberg. Wir haben 25 Weine am Stück probiert und mer fuhre met de Strossebahn no Huss.

Ja, liebe Fieselfreunde: Wir waren in Südafrika. Eine Gruppe von neun schrägen Individuen, die als Gruppe oder sagen wir: als Spezies „Fiesel“ funktioniert haben. Meistens.

Wir haben was zu erzählen und werden das gnadenlos tun, wenn wir Euch das nächste Mal treffen.

Für jetzt und heute sagen Gundel und der Oberstwaldmeister Tschüss. Und sie tun das, was nun noch zu tun bleibt: Sie halten den Rand.

Der letzte macht den Blog zu!

Amakhala Game Reserve: die Rhino-Zicken, die Lion-Girls und die Elly Family

Arschkalt ist’s morgens um halb sieben in Afrika, Wir klettern unter Umgehung aller Vermummungsverbote in Mützen, Schals, Anoraks und sogar Handschuhe gehüllt in Lennys zehnsitzigen Toyota LandCruiser und sehen aus wie die Reisegruppe aus dem Kuckucksnest. Lenny ist unser Ranger, der uns mit Machete (statt Flinte) bewaffnet zu den wilden Tieren und (hoffentlich) heil wieder zurück bringt.

Wir sind am Tag zuvor nach vormittäglicher Tour über die Garden Route und die Blauwkrans Bridge (wo der Oberstwaldmeister den tiefsten Bungee-Sprung der Welt verweigert hat) im Amakhala Private Game Reserve nordöstlich von Port Elisabeth angekommen.

Hier ist die Woodbury Lodge, eine traumhaft gelegene kleine Anlage im Hang mit weitem Talblick, den die Fiesels vom Pool genießen und mit ersten Bildern nach Hause die Reaktion „wie im Tagebau Hambach“ provozieren. In so einer Lodge ist der Tag reglementiert. Nach Ankunft gibt es erstmal Mittagessen um zwei, dann geht es bis nach Einbruch der Dämmerung auf Safarifahrt mit Lenny – auf den Lehm- und Kieswegen ist „free african Massage“ inclusive Lenny stammt aus Zimbabwe, von wo er mit 23 hergekommen ist, wohnt im nahen Alexandria und freut sich auf daheim und die Urlaubswoche, die tags drauf beginnt. Nach der Pirsch dann ein Stuhlkreis am Lagerfeuer, Dinner und Bettruhe. Denn am nächsten Tag ist Wecken um sechs und Abfahrt – siehe oben – um halb sieben. Danach alles wieder von vorne.

Los geht es nach dem Lunch. Wir woll’n die Tiere sehen, und das geht ganz gut los – wohl dosiert mit ein paar Warzenschweinen, Zebras, Water Boks und Impalas. Letztere haben unsere volle Aufmerksamkeit, denn für die meisten wird es sie medium zum Abendessen geben. Ein, zwei Stunden fahren wir herum, dann ist es da: Heino, das Rhino (sprich: Reino). Heinos Geschichte ist tragisch: Er rennt hinter drei Rhino-Tussen her, die nichts von ihm wissen wollen. Und ihm das auch deutlich mit vorgetrecktem Nashorn zu verstehen geben. Und Heino, der Trottel, steht wie bestellt und nicht abgeholt am Wegesrand und rennt weiter hinter den Mädels her. Und weiter. Und so rennt er sicher heute noch.

Zum Sundown gibt es einen Sundowner, stilecht auf der Kühlerhaube, mit Biltong zum Gin Tonic, zum Bier und zum Wein. Prost auf den Sonnenuntergang und dann zunehmend frierend zurück zur Lodge. Wir schauen verträumt vom Stuhlkreis ins Feuer, tauschen mit einem englischen Ehepaar, das mit uns die Gästeschar schon komplett macht, Tiersichtungen aus und verspeisen den Impala. Ein letztes Glas am Feuer, und wir ahnen, dass die zunächst endlos erscheinende Südafrikatour, deren Tage zunehmend schneller wurden, nun allmählich zu Ende geht.

Aber erstmal am frühen Morgen wieder auf den Bock und ab in die Wildnis. Der Nebel hat sich an der Savanne festgesaugt und will einfach nicht weichen. Und versteckt die Tiere so gut, dass wir uns anderthalb Stunden nur an der geheimnisvollen Landschaft erfreuen können. Und als es langsam klarer wird, kommt sie: die Royal Family. Zunächst Pap und Mamm Löwe, die unsäglich cool unseren Weg zwei Meter vor dem Wagen kreuzen, dann die Lion Sisters, die sich zum gepflegten Sonnenbaden auf die Steppe legen und für die Paparazzi posen, die ihnen ansonsten aber auch am königlichen Popo vorbeigehen.

Natürlich gibt es auch hier einen Zwischenstopp mit Kaffee und Plätzchen, ohne Gin, aber mit Busch in der Nähe: rechtsrum für die Mädels, linksrum für die Jungs.

Zwei der Big Five haben wir gesehen. Das soll es nicht gewesen sein. Zunächst mal Gevatter Giraffe, der ist zwar nicht Big Five, aber ganz nahe dran, kann mit einem Hufkick einen Löwen killen, sieht aus, als würden die Beine dauernd abbrechen und ist irgenswie der Majestätischste von allen.

Und der Höhepunkt und damit Nummer drei der Big Five sind die Elefanten: eine Riesenherde, die erstmal ankommt wie die Parade von Oberst Hathi (Kollege!) im Dschungelbuch. Sie wälzen sich in den Wascherlössern, beschmeißen sich mit Schlamm und Dreck, spielen mit den Pänz und ganz am Schluss kommt einer von hinten und rennt auf den Bus zu, Donald saß hinten! Schade!

Nein, nix passiert, aber erschreckt hat er uns und wird dafür von den anderen Elefanten gemobbt. Kein Pardon im Tierreich!

Die letzte Morgenpirsch hat nicht mehr so viele Tiere, führt uns aber zu einem traumhaften Auspblick hoch über dem Amakhala Game Reserve. In der Lodge werden wir mit „Breakfast ready“ begrüßt und bekommen schon eine Stunde später das erste Rührei. Afrika hat Zeit, wir leider nicht mehr, denn es ist soweit: Es geht heim.

Die letzten Eindrücke im ersten Rückblick schreiben wir von zu Hause. Ab in den Flieger: Port Elisabeth – Johannesburg – Frankfurt – Eschweiler. Wir melden uns nochmal.

Sonntagmorgen in Knysna: mit Willem durch’s Township

Traumstraßen, Traumstrände: Wir haben in Plettenberg Bay einen direkt vor der Haustür, hier steigen wir ab im Milkwood Manor, das genauso aussieht, wie sich das bayerisch-kölsche Besitzerehepaar hier vor 23 Jahren ihr englisches Herrenhaus einrichtet haben. Beim Morgenlauf schlagen die Wellen des Indischen Ozeans an den Strand, Flamingos fliegen auf, die Morgensonne strahlt – hach!

Heute geht es ins Township in Knysna, und keiner weiß das so recht einzuschätzen. Sind wir dort willkommen oder eher die blöden Touris, die durch die Szenerie trampeln und den Sonntagsfrieden der Einwohner stören?

Alles gut, die Tour erweist sich als wertschätzender, sicherer und sehr spannender Einblick in eine Welt, die Du sonst im Vorbeirauschen aus dem Auto als Ansammlung von Wellblechhütten wahrnimmst oder, wenn Du mal reingerätst, mit verriegelter Autotür schnell wieder verlässt.

Unser Tour Guide heißt Willem, auch wenn in seinen stets gut gelaunten zweieinhalb Zentnern offensichtlich wenig niederländisches Blut fließt. Er lebt im Township mit Frau und zwei Kindern, beantwortet jede Frage, wenn er nicht gerade aus dem Autofenster die Kumpels begrüßt, die Kinder mit Sweets versorgt oder den Hunden Futter auf die Straße schaufelt. Hunde? Nein, das sind die Township Lions, genau wie die frei laufenden Schweine, die Township Leppards, zusammen mit Eseln, Kühen und Ziegen die lokalen Big Five.

Das Township hat sich für den Sonntag und den Kirchenbesuch herausgeputzt, viele sind an der speziellen Tracht ihrer jeweiligen Gemeinde zu erkennen. Auch die Kinder sind feingemacht. Sie wissen, wenn die Wagen von Enzini Tours um die Ecke kommen, die das Ganze organisieren und hier ausdrücklich erwähnt und gelobt sein sollen http://www.emzinitours.co.za/township-tours/, dann gibt es Süßigkeiten. Natürlich haben sich die Fiesels das von Willem abgekuckt und sich beim örtlichen Grocery Store eingedeckt, der in einem alten Seecontainer ein komplettes Angebot wie bei Lidl und REWE unterbringt.

Wir besuchen auch einen Hairdresser, der mit Reinhard fast einen Kunden gewonnen hätte, bis klar war, dass man sich auf Extensions spezialisiert hat – schade, er kann doch alles tragen. Oder einen Schuhfabrikanten, bei dem Lissy eine Springbocktasche kauft und damit den Sonntagumsatz rettet.

Und wir gehen in die Kirche der Apostolic Faith Mission of South Africa, wo alles genauso abläuft, wie man sich das in Gospelgemeinden vorstellt. Der Reverend mit dem Mikro, der Drummer daneben, der zwischendurch eindöst, das junge Brautpaar, das von der gesamten Gemeinde, Fiesels inclusive, mit erhobenen Händen eingesegnet wird. Natürlich singen alle, das groovt ohne Ende, die Menschen hier können wirklich aus zwei Tönen Rhythmus machen. Alle tanzen, schwenken im Takt ihre Kinder, am Schluss werden alle umarmt, auch die Fiesels, und wir fühlen uns ein bisschen als Teil des Ganzen.

Dass die Kinder die meiste Aufmerksamkeit kriegen, ist klar, sie sind fröhlich, teilen ihre Spielzeuge und ihre Süßigkeiten und beschäftigen sich hingebungsvoll mit einfachen Dingen wie kleinen Bällen oder Kreiseln, was die Oberstwaldmeisterin im Gegensatz zum deutschen Markenspielzeugwahn klasse findet.

Natürlich ist das nicht die heile Welt, aber es ist sichtbar und von Willem vehement betont, eine Community. Hier bleibt man, auch wenn man irgendwann besser da steht als der Rest und in Einzelfällen sogar einen BMW in der Garage hat. Es bleibt eine schwarze Siedlung, so wie sie in Zeiten der Apartheid entstanden ist, als die schwarze und farbige Bevölkerung aus den Towns hierher vershipt wurde, um so die Trennung der Rassen umzusetzen. Seit Mandela ist das nicht mehr so, seitdem entstanden einfache Einheitshäuser aus Stein, die die Blech- und Holzhütten ersetzen und den Einwohnern vom Staat zum Kauf angeboten werden. Diese werden gleichzeitig zu Handwerkern ausgebildet, um weitere Häuser zu bauen. Das löst die Arbeitslosigkeit und die Alkoholprobleme nicht, wie auch die aktuellen Unruhen und die Gewalt in Kapstadt wieder zeigen, ist aber ein Projekt, das weiterhilft.

Höhepunkt der Tour ist der Besuch bei Ella und ihrem Safe House, wo vor allem misshandelte Kinder in kleinen Gruppen und Klassen unterrichtet und aufs Leben vorbereitet werden. Ella, selbst als Kind in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, empfängt uns in ihrer Küche mit Scones und Marmelade, wir kriegen Unterricht in Xhosa, das ist die Sprache mit den Klicklauten. Willem und seine Kumpels singen wieder sehr rhythmisch und wir alle trommeln mit im – äähh – Rhythmus. Jeder in seinem eigenen.

Wir wissen, wir haben nur die Sonntags-Schokoladenseite gesehen, und das in Begleitung eines wohlwollenden Insiders. Es gibt nichts schönzureden, aber wir waren dort und haben einen Einblick erhalten, für den wir dankbar sind.

Reichlich entkräftet landen wir mit einem unterwegs aufgelesenen Sixpack Windhoek Draft beim Asiaten unseres Vertrauens in „Plett“, wie wir Südafrikaner sagen, und kaufen ein fürs große Picknick am Abend, das wir unter Lichterketten und Zeltdach im (winters geschlossenen) Hotelrestaurant mit großartiger Unterstützung der Hotelfachkraft (Messe, Gabel, Teller, Gläser) und dem Wein aus Franschhoek bestreiten.

Noch ein sehr geehrter Abend!

Oudtshoorn: Reifenknall und Storchenbiss

Wie so oft in diesen Tagen: Du rennst am Morgen los, und wenn Du die Augen aufmachst und realisierst, wo Du gerade bist, dann ist das sehr weit vorne. In diesem Fall vorne in der kleinen Karoo, einer Halbwüste im Landesinnereren. die – etwas abseits der Garden Route, die wir offiziell noch gar nicht erreicht haben – viel zu bieten hat. Einen Sternenhimmel zum Beispiel, wie es ihn – bei mehr als 300 klaren Nächten im Jahr – auf der Welt kaum ein zweites Mal gibt. Die Bergstraßen und Pässe, die wir gefahren sind. Den Blick auf die Berge, geheimnisvoll nebelverhangen morgens um sieben. Und den Rooibostee, der nur hier richtig wächst und in der ganzen Welt besungen wird („Ich bin ene Rooibos, leev Mariellsche …“)

Der Tag auf der Zeekoe Farm nahe Oudtshoorn soll ein sehr entspannter sein. Zunächst fahren zwei Gruppen ins Städtchen. Oudtshoorn ist der Platz der Strauße: Leder, Federn, Fleisch treiben die heimische Wirtschaft und werden an jeder Ecke verkauft. Im Ort hat’s viele Geschäfte, darunter eine Filiale von Brosius in Eschweiler, dem geilsten Kramladen der Welt.

Bei aller Entspanntheit gibt es Abenteuer genug. Zum Beispiel die Sache mit dem Auto – Gundel, Du bist dran:

Danke Oberstwaldmeister. Die Fieseltruppe KIA SUV fühlte sich dem bankettstreifenden Hyundai ja stets überlegen und erwartete schon seit Tagen beim Hyundai das Reifenthema. Aber nein, beim kurzen Roadtrip ins angrenzende Straußenstädchen platzt dem KIA der Kragen – ähm Reifen. Hinten rechts und das aber voll. Vollgebremst bzw. souverän stellt Reinhard „Ich bin ja nur der Fahrer“ die Karre an den Pistenrand und die Crew begibt sich an das Thema Reifenpanne in der Wüste.

Lissy händelt das Warndreieck und konstatiert, alles halb so schlimm, wir haben ein Quartier, es regnet nicht und schon kehrt auch ein Auto um, um Pannenhilfe zu leisten. Nette Südafrikanerin und Südafrikaner wechseln schnell den Reifen, dessen Schrauben Donald schon vorbereitend gelöst hat, und es kann weitergehen. Europcar hält als Ersatz ’ne neue Karre am Flughafen in George bereit, die man aber angesichts der Tagesreise dorthin schnell verwirft und beim örtlichen Reifenhandel in kürzester Zeit einen Ersatzreifen für die nächste Panne erwirbt.

Die Oberstwaldmeisters besichtigen derweil die lokale Straußenfarm und lernen eine Menge über die Tiere, die sie abends essen – übrigens ein Genuss, so ein medium rare Straußenfilet. Die Oberstwaldmeisterin passt gut auf und kennt nun die Fleischverteilung am Strauß auswendig. Sie weiß auch, dass der Strauß (das ist der große Schwarzweiße – mehrere Sträussinnen hat (die braunen), von denen die Haupttsträussin für’s Brüten zuständig ist. Und dass der Strauß auf blinkende Teile reagiert, so wie das Smartphone des Oberstwaldmeisters, als Lissy anruft, um von der Reifen-Experience zu berichten. Und Zack! hat er dem Oberstwaldmeister in den Arm gebissen. Na ja gezwackt. Aber ein blauer Fleck vom Storchenbiss bleibt zum Andenken. Und mutig wie der Oberstwaldmeistr so ist, fressen ihm hernach die dicksten Tiere aus der Hand. Es beruhigt ihn, dass die Eierschalen bis 120 kg Druck aushalten. Viel zugenommen hat er bisher nicht auf der Reise. Wie bitte? 120 pro Ei? Hmmm …

Nach so viel Abenteuer tummelt sich die Fieseltruppe am Pool, es gibt geistige Getränke, darunter den heimischen Fynbos-Gin, aber auch diverse Wascherflassen.

Der Abend klimgt wie der vorgerige unterm afrikanischen Sternenhimmel am Lagerfeuer aus. Lassen wir den Paul selbst zu Wort kommen: „His path was marked
by the stars in the Southern Hemisphere. And he walked his days under African skies .“

Highway to desert

Wer in Afrika früh aufsteht, sieht mehr. Er sieht zum Beispiel afrikanische Friedhöfe, wo sicher noch nicht jeder aus der geneigten Leserschaft schonmal war. Oder er sieht afrikanische Schöler in afrikanischen Schöleruniformen, die aussehen wie afrikanische Schölermodels.

Morgens um 07:30 ist davon übrigens abzuraten, denn der lungenmordende Feinstaubcoctail, der dem am Cleveschen Ring in Köln nicht nachsteht, ist auch hier auf den Elternparksuchverkehr zurückzuführen.

Uns zieht es weiter zu neuen Ufern. Zu südlichen Ufern. Zurück bleiben unsere Walkumpels Willi und Jonas und Daisys geliebtes Schnuffeltuch, das nun einsam an der Garderobe der Lodge hängt. Ob sie‘s jemals wiedersieht?

Wir steuern den nun wirklich südlichsten Punkt Afrikas an, wo sich der indische und der atlantische Ozean zum Five-o’clock-tea treffen. Wir landen auf Sandpisten, auf denen dann erstmal nur noch wir unterwegs sind. Donald ist heute am Steuer schüttelt die Fracht ziemlich durch, der eingelagerte Wein wird tagelange Ruhephasen benötigen, aber der Leuchtturm liegt vor uns.

Die Straßenführung in Afrika ist stets stracksgradus und das kilometerlang. Und so fahren wir durch den Tag, reißen einen Kilometer nach dem anderen ab, erreichen die long long Route 62, passieren Ronnies (Sex) Shop, auch in jedem Reiseführer erwähnt, stärken uns in der Pumpkin-Bud, um den Mond über Afrika aufsteigen zu sehn.

Unsere nächste Lodge im Wüstenflair begrüßt uns mit Feuer und Straußensteak, der lebt hier nämlich gerne und viel in Farmen und Savannen, wie auch die Meerkatze und der Gepard. Gundel hat unterwegs schon ein „gewaltiges“ Gnu gesehen.

Nach Straußen(!)-Steak und Wein setzen erste Chorgesänge am Lagerfeuer ein und die Fiesels sind ganz schön glücklich.

Und am Ende brennt das Bett, das mit Moskitohimmel. Es beschert den älteren Herrschaften (Daisy und Donald brauchen sowas nicht) eine heimelige Wärme, die sich dann als Heizdecke entpuppt.

Hermanus: Woher die kleinen Elefanten kommen …

Wenn Dir beim Kauen der Atem in kleinen Wölkchen vor der Nase schwebt und die Eisschicht auf dem Kaffee nur allmählich abtaut, dann weißt Du: Es ist Winter in Afrika und Du sitzt tatsächlich morgens um 08:30 draußen. Auf der Terasse des Mont’dor in Franschhoek wird ein fantastisches Frühstück gereicht, das tatsächlich die Kapstadt-Experience nochmal toppt. Bei noch 9 Grad strahlt schon die Sonnne vom hohen Himmel und die Hausangestellten legen die Badematten auf die Poolliegen.

Dennoch: Es ist unseres Bleibens nicht, wir ziehen weiter, der aufgehenden Sonne entgegen. Nicht ohne vorher die örtliche Gewürzmischerei leergekauft zu haben. Großartige Sache: In entsprechend portionierten Tütchen finden sich alle Gewürze, die Du zum Nachkochen der besten afrikanischen Gerichte brauchst, Fleisch musst Du zu Hause selbst noch beschaffen. Da gibt es auch Biltong, das Trockenfleisch aller Geschmacksrichtungen, und Nüsse und und und – Oberstwaldmeisters Rückflug macht langsam Sorge, bei der Anreise waren’s schon 23,5 kg und damit ein Pfund zuviel.

Dringend brauchen wir noch mehr Wein fürs spätere Picknick, deshalb fahren wir nochmal unser erklärtes Lieblingsweingut Rickety Bridge an, wo die Oberstwaldmeisterin die zweite Tasche dieses Urlaubs kriegt: 23,5 … 24,5 … 25, 5 …

Weiter geht’s, der erneute Umweg wegen Straßensperrung bringt uns eine Mittagspause in Stellenbosch ein, eine quirlige Studentenstadt, wo die Studis wie in Köln und Aachen mittags bei Baccardi Cola statt im Hörsaal sitzen. TropenElmar findet endlich das richtige Outfind nebst Begleitung („Ich Tarzan, Du Cheetah“). Und die Oberstwaldmeisters kaufen ein Kunstwerk für die Wand daheim, schön schwer, mit Metallplättchen drauf. 27,5 … 28,5

In Hermaus steigen wir im Lodge on the Green ab, wo die hilfsbereite Wirtin den drei Golfern unter uns für den nächsten Tag eine Starterlaubnis auf dem Golfplatz direkt hinter der Lodge besorgt – sie sorgt auch für den Transfer zum Essen, fragt nach, ob die Walboote auch fahren und ob im nächsten Restaurant auch wirklich der Chef kocht. Klasse.

Auf dem berühmten Cliff Path in Hermanus gehen wir statt der geplanten elf nur zwei Kilometer, was beim fieselschen Wandertempo schon eine Leistung ist. Die Hauptbewohner sind die – nein, nicht Murmeltiere, sondern Klippschliefer, deren nächster Verwandter – das haben wir schon in Kapstadt gelernt – der Elefant ist.

Es gibt viele Klippschliefer hier, und wir wissen nun auch warum. Da ziehen wir noch einmal das Dichterwort hinzu: „You and me, baby, ain’t nothing but mammmals, so let’s do it like they do on the Discovery Channel.“ (The Bloodhound Gang)

Außer den kleinen Elefanten gibt es aber auch vieeeeeel Küste zu sehen. Was noch fehlt ist ein Wal. Den werden wir morgen sehen. Wenn denn die Boote, die heute wegen des Sturms im Hafen geblieben sind, fahren.

Zum Abschluss des Tages gibt es ausnahmsweise Fleisch. Reichlich Fleisch.

Kapstadt – Franschhoek: Geisterfahrer auf Sylt

Und wirklich verlassen wir die Mother Town nach vier Tagen, aus denen wir viele Eindrücke mitnehmen, die aber doch noch irgendwie zu kurz waren.

  • Wir haben den Tafelberg oben ohne gesehen, den Signal Hill mehrmals erklommen, die Sun down gehen sehen…
  • Wir waren an den unterschiedlichsten Orten, von touristisch als Highlights verschrieenen allseits bekannten Hotspots als auch auf eigenen Pfaden durch den Großstadtdschungel unterwegs…
  • Wir kennen eine Menge Taxifahrer in Mother Town, deren Preisgestaltung und Musikgeschmack. Unsere Trinkgelder sind stadtbekannt und „God bless us“
  • Wir haben kulinarisch ziemlich weit vorne gegessen
  • und wir waren am Kap und damit ganz unten in Afrika

Letztes Briefing: Wo treffen uns wie wann usw. wenn wir uns verloren haben sollten? Die Wettervorhersagen sind unterirdisch, und es ist doch prima, endlos Zeit zu haben und statt der schnellsten die schönste aller Routen zu nehmen. Also los, zunächst gönnen wir uns in Richtung Süden den drei Tage vorher wegen der Unruhen verpassten Chapmans Peak Drive. Dann weiter quer über die Zwölf Apostel, die Verlängerung des Tafelbergs, die in Wirklichkeit aus 17 Bergen bestehen (was ja irgendwie so ist, als hätte das Siebengebirge neun bis zehn Hügel), an Muizenberg vorbei immer längs die Küste nach Osten.

Wir stellen wieder fest, dass sich alle paar Kilometer die Landschaft verändert und an bekannte Reiseziele allüberall auf der Welt erinnert. Hinter Muizenberg siehts genauso aus wie auf Sylt, das sagt uns Daisy höchstens sieben bis acht Mal, mit dem Unterschied, dass hier so viele Geisterfahrer unterwegs sind. Dann geht es über die nächste Traumstrasse, die R 44 an der Gordons Bay, und direkt dahinter liegt Irland, dicht gefolgt von den Dolomiten und der Schweiz. Ein spektakuläres Stück Küste gibt es bei Kleinmond: bizarre Felsformationen, an denen die Wogen zerschellen, Monsterwellen, die in der Bucht auslaufen. Aber kein Wal, der Winni zuwinkt. Noch nicht.

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Und genau an dieser Ecke liegt das Sandown Blues, eine Strandhütte wie bei Koo in Zoutelande oder bei Axel in Sankt Peter Ording – naja, so ähnlich, und da gibt es den kleinen Mittagssnack aus Seehecht und Fritten und Sushi für Tropenelmar.

Wie gut, dass es bis Franschhoek nur noch eine Stunde zu fahren ist. Es sei denn, wir verpassen die Abfahrt und stehen erstmal im Stau bis zur nächsten Wendemöglichkeit. Oder wir stehen 35 km vor dem Ziel fassungslos vor dem Hinweis auf die Sperrung der einzigen Straße, die uns direkt zum Ziel geführt hätte. Nochmal anderthalb Stunden obendrauf.

Also: Wären wir auf direktem Weg aus Kapstadt gekommen, hätten wir 90 Minuten gebraucht. Die schöne Strecke war mit 4 Stunden geplant. Durch unsere Aufenthalte, Fotostopps, Umwege und Verfransen exakt an den selben Stellen wie ein Jahr zuvor kommen wir am Schluss auf 8 Stunden. Aber bei dann doch wieder viel Sonnenschein und auch unverdrossen guter Laune.

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In Franschhoeck erwartet uns ein nettes kleines „Reihenhäuschen“ in einer kleinen Seitenstrasse. Die Gastgeberin teilt uns noch schnell die wichtigsten Informationen mit zu denen insbesondere der Hinweis auf warme Kleidung am Morgen zählt: Wir frühstücken draussen…

Kapstadt 4. Tag: Schuld war nur der Pater Noster ….

Heute startet der Oberstwaldmeister: Wenn man morgens so mir nichts Dir nichts langs den Atlantik läuft, an einer der berühmtesten Ecken der Welt, dann ist das wirklich großartig. Klar, dass da der älteste Leuchtturm Afrikas als Hintergrund gerade gut genug ist.

Der Südafrikaner übertreibt es manchmal mit dem Service: Die Tanks sind nicht mal halb leer, da stellt er uns eine ganze Öl-Plattform direkt vors Hotel. Soviel Trinkgeld können wir gar nicht geben.

Der Tag beginnt lustig beim wirklichen tollen Frühstück. Wie das wirklich tolle Frühstücke so an sich haben, gibt es Eier in allen Varitationen, und zwar englische Eier: scrambled, bolided, lost, poached … Daisy bestellt soger ein Mirror Egg. Natürlich sunny side up. Das passt, denn draußen vor der Tür strahlt die afrikanische Sonne über alle vier Backen.

LIssy und Reinhard sind schon vor Sonnenaufgang nach Simon’s Town aufgebrochen, Pinguine kucken. Der Eselpinguin macht Iiiaaa, und Reinhard und Lissy sind entzückt, überlegen, ob die Strafe von 500 Rand für die Entwendung eines Pinguins nicht ein Schnäppchen ist, lassen es aber bleiben.

Alle, die Betonung liegt auf alle, also die gesamte Gruppe findet sich heute „gemeinsam“ in unserem Bus ein und die Oberstwaldmeisterin kutschiert die ganze Bagage unter sämtlichen Hinweisen des Publikums, Richtungsanweisungen von fast allen, das alles auf der linken Straßenhälfte, zum Neighbourhoodsmarket an der Biskuit Mill in Woodstock. TropenElmar träumt bereits von Jimmy Hendrix, während die Oberstwaldmeisterin den Parkplatzeinweiser an die Wand parkt.

Der Markt erweist sich als Trendy Place und alle Fiesels schwelgen im Kaufrausch. Die Oberstwaldmeisterin hat nun endlich eine Tasche für „klein“, Lissy ein Geschenk für Simon (mehr wird nicht verraten), Oberstwaldmeisters auch noch ein Metzgermesser, Daisy und Donald kaufen Capeschokolade, nachdem sie zuvor das ganze Sortiment für lau probiert haben, Winnie auch …

Die Abfahrtzeit wird zunehmend nach hinten verschoben, und trotzdem geschieht, was geschehen musste: Die Fiesels verlieren sich …

Schuld war nur der Pater Noster….

Gundel, Lissy und Reinhard fahren mit dem Aufzug in den sechsten Stock, um die Aussicht auf den „freien“ Tafelberg zu nutzen und finden ein Restaurant!!!! Aus Mitleid, es ist ja kein Gast da, beschließen sie einen kleinen Imbiss zu nehmen. Bei der Frage „Did you order?“ hätte man aufhorchen müssen … Ihnen wird ein Plätzchen eingeräumt, sie genießen einen herrlichen Mittagsimbiss mit hervorragenden korrespondierenden Weinen und müssen eigentlich sofort beichten gehen, denn sie wissen um das noch kommende reservierte Abendessen.

Gundel weiter: Später eruieren wir, dass man im Pot Luck Club weit im Voraus reservieren muss, um in den Genuss eines Tisches zu kommen.

Und weiter gehts mit der Berichterstattung der Kleingruppe Gundel und Co. Der herbeieilende Taxifahrer entpuppt sich als vielseitig interessierter Gespächspartner, welcher die Germans wirklich verstehen will. Neben den Austausch von typical german Food berichtet er von schon gesammelten Vorurteilen: der Deutsche putzt sein Auto immer samstags, was wir nur bestätigen können, außer Gundel, die gesteht, ihr Auto – sie glaubt, es hat die Farbe weiß – nur einmal in diesem Jahr in einer Waschstrasse gereinigt zu haben. Der Taxifahrer bescheinigt ihr prompt, eine Fake German zu sein.

Die Teilgruppe beschließt den Rest des Tages auf einem Hop und Exonbringyouhomebus fortzusetzen, und Gundel schaltet an dieser Stelle iin gewohnter Manier zum Oberstwaldmeister, um die Tagesgestaltung zu synchronisieren.

Gerne, liebe Gundel: Da aus – nun bekannten – Gründen ein Teil der Fieseltruppe in Woodstock im Luxus versackt ist, bewegt sich der Rest noch einmal auf den Signal Hill oberhalb der Stadt, um zu kucken, wie der aussieht, wenn man ihn bis ganz oben fährt und nicht vorher zuparkt. Gut sieht’s aus, vor allem der Blick nach unten, zum Beispiel aufs Hotel oder auf den Tafelberg, der immer noch nackisch ist, oder nochmal auf die City Bowl, die bei klarem Wetter einen besonders eindrucksvollen Anblick bietet. Fast schon im Sekundentakt starten hier oben die Tandem-Paragliders, die dann direkt vor unserem Hotel landen. Serienmäßig kriegen die Mitflieger so ein Bilderstöckchen mit auf den Weg, mit dem ihr Handy aufzeichnet, wie sie sich gerade in die Hose machen.

Und dann geht auch der Rest der Truppe auf die Blue Line, die Alternativstrecke rund um den Tafelberg zum Atlantik. Diese ist im Vergleich zur bekannten Red Line vom Vortag nun ja: etwas länger. Mehr wie eine Wagner-Oper: Es zieeeeeht sich. Und der Oberstwaldmeister ist nicht wirklich für seine Geduld bekannt. Unser Bus ist der Lumpensammler, der an jedem Stopp auf den letzten Fahrgast wartet, so auch beim Weingut Constantia, wo eine rabenbreite Menschentraube (höhö) den Bus entert, leere Rotweingläser und diverse Weineinkäufe schwenkend, ein paar schon so grün im Gesicht, dass man sie nicht im Nacken sitzen haben will. Zwischendurch bestätigt sich, dass die Kapregion zu spontanem Wetterwechsel neigt. Es wird arsch kalt, und ein mitleidiger Mitreisender bietet Donald seine frisch gekaufte neue Jacke an. Denn Donald sitzt im Poloshirt da, er hat seine Jacke der Gattin überlassen. Ein Held, das wissen wir ja seit seiner Wohnmobilrallye durch New York.

Aber die Fahrt ist auch wieder informativ und zeigt viel von den Gegenssätzen des Alltags in Südafrika: Blechhütten und propere Anwesen direkt nebeneinander, wie gesagt, nicht immer die heile Touri-Welt.

Und dann der krönende Abschluss des Kapstadt-Aufenthalts: Haute Cuisine, für manche die zweite des Tages. Wie viele Cholesterine mussten dafür Ihr Leben lassen. Der Chef heißt Harald Bresselschmidt und stammt aus der Eifel, hat mal im Aachener Gala gekocht und ist vor 27 Jahren in Kapstadt gelandet. Es ist ein sehr geehrter Abend. Die Speisen sind klasse, von der Wachtel und den Prawns über Rind, Kalbsbries und Sea Brass bis zum Süßkartoffeldesert. Auch der Somelier versteht sein Geschäft – von der Magnumpulle der hiesigen Prickelweinmanufaktur über Chardonnay, Shiraz bis zu den süßen Ablegern am Schluss. Er erklärt das sehr someliermäßig und wir schmecken ihm nach, wenns mal „oaky“, „meaty“,“leatherlike“ oder gar „wood contacted“ ist.

Und während es im Abgang leicht möpselt, stellen wir fest, dass dreieinhalb Tage Kapstadt einen würdigen Abschluss gefunden haben. Wir fragen uns, ob und wie das zu toppen sein wird und sorgen uns ein wenig um die Wine Tram Tour in Franschhoek: Werden auch wir als Rotweinzombies in die Weinbahn wanken?

Freut Euch einfach auf die nächsten Beiträge von Gundel, Obi Waldmeister und dem Rest der coolen Gang …

Kapstadt 3. Tag: Wenn beim Signal Hill die rote Sonne … und die Chöre sing‘ für Dich

Der widrige Umstand, dass die Seilbahn auf den Tafelberg außer Betrieb ist, geht uns gerade mal am Popo vorbei, denn natürlich liegt er im Nebel, der Berg. Auch als wir mit dem Hoppitoppiexundhopponandoff-Gefährt an der Talbahnstation stehen, schauen wir zwar auf die nebelfreie Mothertown bei immer mehr Sonne, aber nach oben ist nix zu sehen.

In den Bus gestiegen sind wir direkt vor dem Hotel, all inclusive zwei Tage sind gebucht, es gibt eine deutschsprachige Führung auf’m Ohrhörer, und weil jeder off- und on hoppen kann, werden wir uns heute gruppentechnisch trennen. Deshalb machen Gundel und der Oberstwaldmeister nun die Fieselkonferenz wie Samstags auf’m WDR. Rufen wir zuerst den Oberstwaldmeister …

Oberstwaldmeister: „… ja, wir melden uns hier aus Camps Bay, dem Ort der Reichen und Schönen, wo Robbie Williams dauernd am Nebentisch sitzt und immer die Sonne scheint. Das tut sie auch, und wir laufen am Strand wie in Zoutelande mitten im Sommer. Hier wurde erfolgreich eine größere Alien-Invasion abgewehrt, die schwer algenähnlichen Außerirdischen liegen tot am Strand und stören die Optik. Donald will einen mit mit nach Hause nehmen, das wird noch eine olfaktorische Herausforderung. Im Pub mit dem schönen Namen Tiger’s Milk gibt es außer dem gleichnamigen Lager und leckerem Pubfood eine verwarmde Teras auf der ersten Etage mit Meerblick. Und gegenüber steht in jeder Parklücke eine zehnköpfige Kinderschar und schreit. Na gut: singt. Afrikanische Lieder. Für Geld. Wir stellen gerade fest, dass im Hoppitoppi-Angebot auch das Hafencruisen mit Seehundblick enthalten ist. Also zurück in den Hoppitoppi und ich gebe weiter zu Gundel …“

Gundel : „Wir bleiben zunächst auf unserem Hoponexhopbus und fahren erneut auf der bekannten Runde, um im Bo Kaap auszusteigen. Die bunten Häuser des Viertels erkunden wir pünktlich zum Freitagsgebet, so dass am internationalen Frauentag kein Mann mehr auf der Straße bleibt. Die wirklich zahlreichen Moscheen sind gut gefüllt und der Muezzin ist übers Viertel zu hören. Die CocaCola-Dependance ist leider aufgrund des Freitaggebets geschlossen, so dass wir das ersehnte Kaltgetränk auf später verschieben müssen. Oberstwaldmeister, wo seid ihr gerade?“

Oberstwaldmeister: „Wir sind inzwischen mit dem Hoppitoppiboot auf der Hafenrundfahrt. Zuvor haben wir uns durch Seehundrudel gekämpft, da ist Pier 31 in San Francisco ein Limonadenbüdchen gegen. Wir schippern durch verschiedene Hafenbecken, die alle irgendwie Victoria und/oder Albert heißen und lernen, dass hier der alte Bon Jovi die Bandyacht bauen ließ und mitunter „Living on a Prayer“ durch den Hafen schallt. Der bisher freundlichste und preiswerteste aller Taxifahrer bringt und zum Hotel, der Plan ist, auf dem Signal Hill den Sonnenuntergang zu kucken. Zurück zu Gundel …“

Gundel: „Wir gelangen durch den afrikanischen Großstadtdschungel an den Greenmarket und auch uns singt der Chor der pfadfinderähnlichen gemischten Gruppe von Mädels, Jungs samt Dirigenten, und die singen richtig gut. Wir lauschen gebannt und nutzen die Gunst der Stunde einen hervorragenden Kaffee im angrenzenden Trendycafe zu trinken. Boah … tut das gut!

Am internationalen Frauentag scheinen alle zu singen und wir fügen der Vervollständigung halber den nächsten Chor auch noch fototechnisch ein.

Wir essen im absolut afrikanischen Speisehaus mit unzählbaren Menschen aller Couleur. Das System der Bezahlung, Bestellung und des Anstehens müssen wir erst mühsam erkunden, um dann die überaus üppige Portion in diesem unbeschreiblichen Ambiente zu verspeisen. Das war sowas von nachhaltig für die Erinnerungen in unseren Köpfen …

Im Anschluss besuchen wir noch das Mocaa, bewundern die Architektur, diese einzigartige Atmosphäre und beschließen, weiter zu Fuß zur Waterfront und Richtung Hotel zu schreiten, den Sonnenuntergang immer rechts von uns wissend. Lissy „knipst“ den hundertsten Sundowner und wir wissen, dass wir 98 wieder löschen werden; aber der Kick des ultimativen Fotos treibt uns an. Irgendeins wird wieder „ganz weit vorne“ landen. Wir schalten zurück zum Oberwaldmeister.“

Oberstwaldmeister: „Nach einem Sonnenbad auf der Hotelterrasse fährt die Obertwaldmeisterin eine vierköpfige Teilfraktion auf den Berg. Warum an einem Freitagabend an einem Feiertag bei bestem Wetter noch andere auf die Idee kommen, ist uns unverständlich. Und so parken wir alle die Straße hügelaufwärts zu. Zehn Minuten vor 18:12 geht nichts mehr. Aber lustig ists. Vielleicht weil wir die Hotelminibar dabei haben. Wir fühlen uns wie am Kamener Kreuz, allerdings mit atemberaubendem Blick aufs Meer einerseits und auf die City, die immer elektrischer und beleuchteter wird, andererseits. Und als ein freundlicher Japaner von weiter oben uns auffordert, doch bitte Platz zu machen, damit er seine Protzkarre durchfahren kann, weisen wir ihn höflich auf sein Fehlverhalten hin und werfen seine Leiche mit Schwung ins Hafenbecken. Wir nehmen noch ein deutsches Tramperpaar mit runter, das beim Wendemanöver der Oberstwaldmeisterin auf enger Straße die Hosen voll hat. Und den Rest der Fieseltruppe treffen wir am Ende des roten Teppichs an der Hotelbar …“

Sunnesching am Klippenrand oder: heile Welt mit Straßensperren

Tja, was bleibt diesem Bilderbuch von einer Landpartie noch hinzuzufügen, außer Lissys erneut sehr wahrer Erkenntnis: Wir sind privilegierte Menschen, weil wir das alles sehen dürfen.

Es hätte, um es mit Daisy zu sagen, auch regnen können. Hat es auch am Morgen, eigentlich sogar wieder wie aus Eimern. Aber mit dem ersten Stop in Muizenberg tat sich der Himmel auf, um uns das Surferparadies zu zeigen. Und es ist doch lehrreich zu hören, dass Agatha Christie hier das Surfen lernte. Ist wahrscheinlich Legende. Da gab’s doch noch gar kein Internet.

Die Surfer von heute stehen auf Spezialbrettern mit Paddel. Sie paddeln raus, um dann auf der perfekten Welle wieder reinzupaddeln. Später liest die Oberstwaldmeisterin von einer Surflehrerin für Behinderte, die wir bei der Arbeit gesehen haben. Und tatsächlich gibt es einen Profi-Surfer mit appem Bein. Das ist bewundernswert.

Mit 15 Grad im Sunnesching den Fußweg am Klippenrand zwischen den Kaps zu nehmen, ist auch so ein Kapstadt-Tip, den wir hier auf keinen Fall verraten, um nicht in die Lonely-Planet-Falle zu tappen: Wenn alle sich auf den Geheimtip stürzen, ist er nicht mehr so richtig geheim. Na gut, liebe Fieselfreunde: Euch verraten wir’s. Aber nicht vergessen: das Gruppenbild am berühmtesten Holzschild der Welt.

Unterwegs sind wir mit zwei Autos: einer 10-Personen-Riesenkarre von Hyundai mit der Oberstwaldmeisterin am Steuer und einem Kia, darin vorne links Reinhard („Ich bin ja nur der Fahrer“). Klappt gut, außer dass man nicht vergessen sollte, aus der letzten Sitzreihe im Hyundai beim Fotostop auch den TropenElmar rauszulassen. Seine Gattin hat übrigens inzwischen den Fieselnamen „Winnie“.

Und bei aller Paradiesigkeit: Wir sind nicht in der heilen Welt unterwegs: Gab das Schild am Souvenirshop am Cape Point schon zu denken, der wegen „Protest Action“ geschlossen hatte, so holt uns die Realität kurz vor dem Chapmans Peak Drive ein, den wir als finale Traumstraße des Tages geplant hatten: Wir stoßen auf die Reste einer gerade noch brennenden Barrikade, und die örtlichen Hilfssheriffs schicken uns zurück Richtung Kap: Unruhen voraus, Steineschmeißer, Straßensperren. Wir sind gar nicht mal so  sehr beunruhigt und geraten auf diese Weise unfreiwillig auf nette Bergsträßchen, die wir immer schon mal fahren wollten. Aber es erinnert uns daran, dass wir nicht in der Eifel sind.

Am Abend gibt es Krokodil, Strauß, Kudu & Co. bei Mama Africa, dem Früh von Kapstadt. Sehr Touri, sehr schön, auch wenn nicht nur des Oberstwaldmeisters Warzenschwein etwas zäh war. Wir werden bedient von einer langbeinigen schwarzen Schönheit aus dem Kongo, die mit Reinhard französisch parliert und ausgesprochen geschäftstüchtige Weinempfehlungen weiter unten von der Karte ausspricht.

Und wir lernen ein Stück Kapstädter Taxi-Innung kennen: Im kleinen Taxi sitzt der Fahrer, der sich auskennt, und der hat im größeren Taxi (TropenElmar nach hinten) einen Spannmann, der hinterherfährt. Und am Schluss im ersten Wagen immer noch den Preis erfragen muss. Dafür gab’s dort Disco inclusive, was zu einem Trinkgeld geführt hat, von dem der Driver noch seinen Enkeln erzählen wird.

Unnötig zu sagen, wie der Abend ausklingt, und dass uns das Barpersonal im Hotel spätestens am dritten Tag den roten Teppich ausrollt, wie ihn sonst nur die Oberstwaldmeisterin bei Garten Graaf sieht.

Die Pläne für den dritten Tag beruhen auf dem berühmten lokalen Verkehrsträger, dem Hippi-Hoppi, ääh Ex-und-Hopp oder – ehm – Hop-on-hop-off-Bus. Den mieten für zwei Tage all inclusive. Allerdings exclusive Tafelbergbahn. Die wird nämlich wie im August ein Jahr zuvor gewartet. Einen ganzen Monat lang. Egal, der Berg liegt sowieso wieder im Nebel …